Vier Tage
Gerade wieder aus Lübeck da, schon denk ich an Euch und schreib Euch was :)
Donnerstag war im Rathaus eine “Expertenanhörung”, das Rostockticket betreffend. Für den Fall, dass Ihr nicht sofort wisst, worum es da geht: Die PDS hat angesichts der klammen Haushaltslage den Vorschlag geäussert, für ganz Rostock eine Art Soliticket ähnlich dem Semestertickt für Studenten einzuführen. Sprich, jeder Rostocker zahlt 15€ im Monat und kann für diesen Pauschalbetrag soviel Bus/Strassen- und S-Bahn/Fähre fahren, wie er oder sie will. Micha hatte schon vorher überschlagen, dass die angesetzte Summe zu gering sei und wir hatten daher vorher, da uns die Idee als solche gut gefällt, mit der PDS Kontakt aufgenommen, wobei in der Antwort noch einige Details erläutert wurden. Die OZ hat am nächsten Tag alles sehr negativ Dargestellt und im Kommentar den ganzen Vorschlag komplett verrissen, was hauptsächlich an der für Journalisten, wenn man die Leute bei diesem Käseblatt denn so nennen will, typischen Oberflächlichkeit. Wenn ich nach einer halben Stunde gegangen wäre, hätte ich auch nichts geblickt. Hätte der Schmierfink ein wenig länger zugehört, wäre er zu diesem Schluss gekommen: Die Idee und all ihre positiven Nebenwirkungen wurden als erstrebenswert angesehen. Das wirklich gravierende Problem, abgesehen von ein oder anderen Details, die in so einem frühen Stadium noch gar nicht geklärt sein konnten, ist schlicht und ergreifend die Finanzierung, kostenlose Fahrt für alle ist toll, aber wie soll man Leuten erklären, warum sie auf einmal gezwungen sind, etwas zu bezahlen?! Wie ich bereits feststellen musste, beisst man bei regelmässigen Autofahrern einfach auf Granit. Also Soliticket nein, gratis fahren ja, leider kein Geld - schade. Auch wenn das letzte Wort hoffentlich noch nicht gesprochen ist.
Freitag war volles Programm geplant. Beispielsweise die seit langer Zeit heiss erwartete Fuerza Social-Party im JAZ mit Salsa- und Merengue-Tanzkurs. Oder Katschis Geburtstag und Ausstand im Warmbad. Oder Pannows Geburtstag in der Chaos-WG. Letztere kam für uns leider zu kurzfristig, erstere war uns faulheitsbedingt (und weil wir bei -3°C nicht wirklich in Cuba-Stimmung waren) zu weit weg, also gingen wir einmal um die Ecke ins Warmbad, wo hinten in Phase 2 noch nicht wirklich viel los war und Anni und ich uns erstmal mit Durchhaltekaffee versorgt haben. Danach folgte, kurz gesagt, eine der geilsten Feiern bei der wahrscheinlich schlechtesten Musik, die ich je erlebt habe. Bis auf die Warmbadleute und ein paar wenige bekannte Gesichter waren ansonsten jede Menge Behinderte, Schwule und Lesben da (vielleicht daher auch die seltsame Musikmischung, und ja, es liefen auch Village People und Marianne Rosenberg). Wir haben gequatscht, gelacht, getanzt (Auch wenn ich mit “I will survive” was anderes verbinde, als die meisten anderen Anwesenden ;), über die Leute gestaunt und so viel Spass gehabt, ich bin immernoch total beeindruckt. Um vier mussten wir dann ins Bett, weil wir ja noch zum 50. Geburtstag von Schwiegerpapa nach Lübeck wollten.
Samstagabend kamen wir dann mit Hackfleischtorte und Geschenk bei Annis Eltern an, wobei wir alles natürlich noch am Vater vorbeischmuggeln mussten. Nachdem wir uns den selten dämlichen Film “Fantastic Four” angeguckt hatten, haben wir Punkt zwölf das Geburtstagskind mit der Hackfleischtorte und 50 kleinen unauspustbaren Scherzkerzen überrascht, was uns auch prima gelungen ist, denn die Dinger brannten lichterloh, und so musste ich die brennende Fackel direkt auf die Terasse befördern. Zu unserer Freude konnten wir am Ende des Spektakels unter der ca. 2 cm dicken, lecker hellblauen Wachsschicht noch Reste vom Kuchen ausmachen. Das eigentliche Geschenk gab es dann am nächsten Morgen - also am heutigen Sonntag: Einen kleinen Baum, über und über behangen mit so Sachen, von denen wir denken, dass man die ab 50 gut brauchen könnte. Also hingen da so feine Kleinigkeiten wie Kukident, Rheumapflaster, Melissengeist, Doppelherz, Haarfärbemittel, ‘ne Schnabeltasse, usw.. Wir denken aber, dass er sich gefreut hat ;)
Jedenfalls durften wir mit zum Mittag, wo uns allerlei Wild in unbeschreiblichen Mengen kredenzt wurde. Aber selbst ich musste nach dem dritten Teller aufgeben, und so machten wir alle noch einen kleinen Spaziergang am Wakenitzufer und am Kanal. Anni kommt leider morgen Abend erst nach, da sie in Lübeck noch ein paar Sachen erledigen muss, ich muss ja arbeiten, oh mann, wie sich das schon anhört…