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Mittwoch, 23. November 2005

Evolution, und Leute, die nichts zu sagen haben

Gestern abend war der gross durch Gorilla- (jaja, Gorilla-Guerilla)-Propaganda angekündigte Vortrag “Evolution - kann ein Biologieprofessor heute noch an Gott glauben” von Prof. Siegfried Scherer, Autor des Buches “Evolution. Ein kritisches Lehrbuch” und vor kurzem bei Frontal21 wortverdreht. Wir gingen also, um uns als mehr oder weniger Fachkundige ein Livebild der Kreationisten zu machen (ja, auch ich hab mir mal ein Semester Evolutionsvorlesung angehört). Schliesslich sind wir nicht gut auf die zu sprechen. Voller Erwartung fanden wir gerade noch so einen (wirklich nur einen) Platz im Audimax - reges Interesse war also vorhanden.

Nach lanwieriger Einleitung einer Tante der Studentenmission, des Veranstalters, welcher bewusst ohne den sicher äussert publikumswirksamen Namen “StudentenMISSON” zu erwähnen nur unter der schicken Abkürzung SMD in Erscheinung trat, begann Scherer endlich mit seinen Ausführungen, wobei er zunächst die Extreme aufzeigen wollte, also einerseits jene überzeugten Atheisten, die einen Absolutheitsanspruch an die Wissenschaft stellen und andererseits Kreationisten, welche die Evolutionstheorie als komplett falsch abstempeln. Sicher kann jeder zustimmen, dass beide Sichten aufs gröbste einfach nur emotional und unwissenschaftlich sind.

Weiter erläuterte er seine persönlichen Ansichten über heutige Probleme in der Evolutionsforschung. Dabei bezog er sich im wesentlichen auf die Komplexität der Lebewesen an Beispielen wie dem viel zitierten “Geißelnanomotor” von E-Coli-Bakterien, und Wahrscheinlichkeiten, oder eher Unwahrscheinlichkeiten, beispielsweise der Erstentstehung von Leben und die Probleme des experimentellen Erkenntnisgewinns, und noch weiteres, ich muss hier ja jetzt keine Inhaltsangabe abliefern.
Der Vortrag war vom Stil (zum Inhaltlichen komme ich noch) nicht schlecht gehalten, wenn auch nicht ganz so unterhaltsam, wie die Fragerunde danach. Alles war wesentlich unspektakulärer als erwartet. Ob Scherer sich nun selbst als Kreationist sieht, kann ich nicht beantworten, ist offenbar auch irrelevant gewesen, denn das Ziel des Vortrags war einfach nur die Beantwortung der Frage: kann man denn trotz aller Wissenschaft noch religiös sein, was, wie ich finde, doch einfach jedem selbst überlassen sein sollte.

Meine Kritik ist folgende: Er hatte anfangs betont, Naturwissenschaft und Theologie im Vortrag nich vermischen zu wollen, hat es dennoch immer wieder getan, wie besonders unsinnig mit seinem esoterischen Verständnis des Begriffes “Information” in Zusammenhang mit Materie im allgemeinen und Leben im speziellen, welche jedem Informatiker die Zehennägel kräuseln lassen müsste. Seine “Argumentationsketten” waren keine, sondern nur wild aneinandergereihte Einzelheiten, die nur scheinbar etwas miteinander zu tun haben und aufeinander aufbauen. Einige Falschaussagen, wie die über Zellmembranen oder seine oft herbeigezogene aber bereits längst als Denkfehler widerlegte Wahrscheinlichkeitspseudorechnung mit den Kombinationsmöglichkeiten von Aminosäuren zu Proteinen. Viele inhaltliche Schwächen, wie ich sie zuletzt in der Art und Weise zuletzt bei einer Germanistikdozentin gehört hatte, die so einen geballten Quatsch über Mengenlehre erzählte, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte. Zu oft auch der Eindruck: “Ich kann es mir nicht vorstellen, also glaube ich was anderes”. Scherer hat mich uns also nicht in unserem Weltbild erschüttert, wollte er auch gar nicht. Wir hatten einfach andere Erwartungen an den Vortrag geknüpft, eher die Konfrontation Evolution vs. Schöpfungsgeschichte.

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Sonntag, 20. November 2005

The Element of Crime

FilmplakatGestern Abend hat es Anni und mich gepackt, und wir beschlossen kurzerhand ins Kino zu gehen. Da mir von Montag noch eine Programmvorschau für Lars von Triers Film “The Element of Crime” in Erinnerung war und meine Neugier weckte, gingen wir zur Nachtvorstellung ins LiWu. Der Film stammt aus der Europa-Trilogie, welche gerade wieder auf die Leinwand gebracht wurde.

Die besondere Optik des Filmes besticht, erinnert eventuell ein wenig an uralte Stummfilmklassiker, wirkt dabei ähnlich surreal, mal wie Fritz Langs Metropolis, mal wie Frank Miller’s Sin City, nur dass hier alles in kontrastreichem orange und spärlichem blau gehalten ist.
Rein Inhaltlich handelt es sich um einen Krimi - Fisher, ein Polizist im Ruhestand begibt sich in seiner neuen Heimat Kairo in Hypnosebehandlung, um der Ursache seiner Kopfschmerzen nachzugehen. Dabei begibt er sich 13 Jahre zurück in ein nicht näher bestimmtes Land in Europa, wo er damals einen Serienmord aufklären sollte, die sogenannten Lotteriemorde. Fisher bedient sich dabei einer umstrittenen Methode seines mittlerweile dahinsiechenden Mentors, welche sich “The Element of Crime” nennt, und im wesentlichen beinhaltet, dass sich der Ermittler so weit wie möglich in den Täter hineinversetzen soll, um schliesslich seine Gedankengänge nachzuvollziehen und ihm einen Schritt voraus zu sein.
Was soweit recht normal klingt ist in ein komplett postapokalytisches Europa eingebettet, ohne zeitliche Bezüge zur Wirklichkeit, voll von Schmutz, menschlichem Abschaum, Armut und seelischer Gewalt. Es gibt weder Jahreszeiten, noch Tag und Nacht; stattdessen überall Wasser - strömender Regen, tropfende Decken, durchnässte Kleidung. Wie ein ekelhafter Alptraum, durch den einen hin und wieder nur die Stimmen Fishers und des Therapeuten begleiten.

Ich muss gestehen, dass das Anschauen ziemlich anstrengend war, aus vielerlei Gründen. Ob einem der Film gefällt, muss jeder für sich entscheiden, vielleicht liebt man ihn und erklärt ihn zu Kult, oder hasst ihn, auch dies sicherlich zurecht. Gibt es eigentlich auch “normale” dänische Filme?!

Freitag, 18. November 2005

Wochenende!

Hach, ich hätte nie gedacht, dass ich mich irgendwann mal so darüber freuen würde. Ans Aufstehen habe ich mich mittlerweile fast schon gewöhnt, Paula auf jeden Fall schon, die geht um sieben im Park schon gut ab, und das, obwohl es inzwischen a****kalt ist. Aber dann werd ich morgens wenigstens wach, radel dann so durch die Gegend, frier mir die Finger ab, …

Nebenbei schafft man leider nicht mehr soo viel, um es mal diplomatisch auszudrücken. Meist seh ich abends aus, als ob ich gerade in ‘nem gut gechlorten Schwimmbecken rumgepaddelt bin, obwohl das an sich nur Mittwoch der Fall sein dürfte, da wir da hin und wieder Schwimmen gehen. So schön, im Sprungbecken in 4,50m Tiefe flach aufm Boden zu liegen, bis der Kopf implodiert; hinter rückenschwimmenden Omas hertreiben und deren runzlige Fusssohlen (drei s, schon wieder) anstarren; mit glatzköpfigen Kerlen mit tief in die Augenhöhlen eingedrückten Schwimmbrillen zusammenstossen, die offenbar zum Mittag irgendwas mit Gyros oder zumindest einer Extraportion Zwiebeln und Tsaziki hatten. Aber ich habe nunmal momentan einen ziemlichen Bewegungsdrang, klar, wenn man auf einmal permanent im Bürostuhl sitzt.

Der/die/das Tess, unser allzeitbeliebter kunterbunter Klamottenladen zieht um, anscheined ein paar Meterchen weiter im Barnstorfer Weg. Damit sie nicht soviel mitschleppen müssen, machen sie gerade ‘nen feinen Ausverkauf, 50% auf alles. Da ich im Moment ohne Jacke rumlaufe, hatte ich gehofft etwas derartiges zu finden, leider war nix für meine Armlänge dabei, Anni hat sich wenigstens ‘ne Gürteltasche zugelegt, und so pilgerten wir zur Kaffeerösterei, um die neue Sitzecke in seinem ehemaligen Büro einzuweihen, einfach zu schön. Und so sind wir wenig später total von zuckersüssen Riesencookies geflasht nach Hause geschlingert.

Dienstag, 15. November 2005

Russian Ark

FilmplakatDer Micha, der Savas und ich haben und am Montagabend im LiWu den Film Russian Ark angeguckt. Ich fand die Idee fesselnd einen Film zu sehen, der komplett aus einer einzigen Kamerafahrt besteht, dabei alles aus der Sicht eines ständig aus dem Off kommentierenden zu erleben, welcher bei seiner seltsamen Reise durch die Petersburger Eremitage nur von einem - äh, ja, europäischen Diplomaten - begleitet wird. Dabei durchstreifen die beiden etliche Räume des gewaltigen Palastes und ganz nebenbei 300 Jahre russischer Geschichte, wobei es durchaus Interessantes zu erfahren gab.

Der Eindruck ist etwas durchwachsen, aber schliesslich handelt es sich dabei ja auch eher um ein filmisches Experiment. Dennoch ist mir zumindest nie langweilig gewesen, und eine starke Katharina die Grosse und der beeindruckende Ball mit unzähligen mazurkatanzenden Menschen am Ende machen ohnehin alles wieder wett.

Sonntag, 13. November 2005

Suchbild

pixelmannTja, Ihr habt ja so viel Zeit, ich habe leider keine Zeit. Ich muss meinen Arsch immer in Bewegung halten, damit die Kohle stimmt. Darum kann ich leider auch nich mehr so viel unternehmen im Moment, so dass es normalerweise natürlich auch nicht allzuviel zu berichten habe - wen interessiert schon mein Büroalltag?!

Deshalb gibt es jetzt ab und zu für Euch Rostocker Ostrocker ab sofort hin und wieder ein Bild - garantiert von mir und von hier - und jetzt kommt Ihr: Wenn Ihr wisst, wo das gezeigte sich befindet, schreibt einen Kommentar, wenns zu schwer ist bitte auch. Soll ja unterhalten und nicht frustrieren. Beim nächsten Bild gibts dann die Auflösung vom letzten mal. Ich freu mich schon aufs Knipsen :)

Praktikumsmässig geht es im Moment ziemlich voran, ich hab z.B. das GPS in einem der Telefone ansprechen können, und freue mich da schon auf viele schöne Anwendungen. Leider verbietet mir eine gewisse Klausel in meinem Vertrag, hier irgendwelche Details preiszugeben - schade. Auch unser NetlabelGrabber macht Riesenschritte. Hab diese Woche einiges in Sachen Webfrontend fertigbekommen. Die Übersichtstabelle lässt sich jetzt nach allen Spalten sortieren, die Spaltenbreite ist veränderlich und es lassen sich Zeilen markieren. Ausserdem hab ich versucht, das ganze optisch einigermassen ansprechend zu gestalten.

Achja, die Shoutbox ist wieder mal (und diesmal anscheinend entgültig) tot. Mist. Hab leider gerade keine Zeit für einen Serverumzug, oder keinen Bock, oder kein Geld, oder einfach alles.

Gestern wollten wir zum f6 music award ins Mau. Ok, wir waren etwas spät dran, aber wir dachten uns so, hey, wir haben ja Freikarten, wir kommen bestimmt rein. Angekommen, denkste! Die halbe Stadt hatte Freikarten, das Mau war voll und hatte bereits Einlassstopp (drei “S” - pfui). Nach einem kurzen Gespräch mit dem ausnahmsweise netten Security-Menschen stellte sich heraus, dass die Veranstalter den Club nicht kannten und so von ganz anderen Kapazitäten ausgegangen war, also: Viel zu viele Freikarten verteilt, viel zu wenige Karten (für ja immerhin 5€) verkauft. Was solls, Passadeena hat mal wieder gewonnen, wir sind weiter zum Momo, da auch wieder weg und ab zum Cro. Da wars wirklich schön, Elmar, Sabine und Gero (war das richtig?) stiessen zu uns und so machen wir uns langsam auf den Weg in die Niklotstrasse in Maddins und Heikos WG. Da wurde dann auf zwei Etagen alles mögliche gefeiert und die ganze KTV traf sich. Unterm Dach wurde von Kasi und Maddin aufgelegt und alle haben getanzt zu elektronischen Beats und Livegesang. Einfach alles geil.

Ein Hinweis in eigener Sache: Ich liebe die Literatursendungen auf Lohro. Und der Hund furzt fürcherlich. Und denkt daran das Photomotiv zu suchen!

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Montag, 7. November 2005

Was bisher geschah™

Ok, mal wieder eine aufholjagt, bevor alles für immer aus dem Gedächtnis gelöscht ist. Damit es nicht ganz so chaotisch wird, hab ich zumindest die Geschichte mit dem Praktikum ausgelagert.

Letzte Woche ging anfangs gar nicht mal so viel, ausser früh einschlafen. Donnerstag war alles anders, wir (Anni, Michi, Evi und meiner einer) wollten ins LiWu zur Verleihung des Goldenen Toasters, wo jedoch schon 19:30Uhr alle Sitzplätze ausverkauft waren, und wir uns entschlossen, zum Capitol weiter zu ziehen. Da ham wir uns NVA angeguckt, naja, ok, mieser Hauptdarsteller, und sonst recht durchwachsen. Um dann noch vor dem Schlafengehen ein Weinchen zu trinken, sind wir dann - ohne Micha - im Warmbad eingetrudelt, wo die gute Mine uns sogleich vom Feinsten reichte. Ja, wie es manchmal ist, kommen noch ein paar Freunde, oder solche die es werden wollen, und ehe wir uns versahen, jagte eine Flasche die andere. Wir haben verloren, war auch kein Wunder, die waren 9 und wir nur 5! Lustig dabei auch die musikalische Untermalung eines Gitarrenduos mit schmutzigen Liedern, welches wir ebenfalls mit Wein finanzierten. Tja, ich landete irgendwann in einem cineastisch meisterhaft inszenierten Filmriss, will Euch mal die grausamen Details ersparen. Jedenfalls ging es mir den nächsten Tag alles andere als feierlich. Puhh.

Samstag musste die kleine Anni arbeiten. Zeit für Micha und mich, einen Monty Python Abend zu veranstalten, wenn auch nur zu zweit, egal. Schön geguckt, gut gelacht, irgendwann wollten die Mädels, die so gegen halb zwei mittlerweile von der Arbeit nach Haus kamen weiter ins Momo, aber dank unserer standhaften Nichtbegeisterung und des gewaltlosen Widerstandes gaben die beiden auf, und sich für ihren Teil dem Schnapps hin. Auch ein netter Ausklang. Für mich jedenfalls gab es nur O-Saft, tjoa.

Gestern, also Sonntag haben wir ausnahmsweise mal das schöne Wetter genutzt (oder sollte ich sagen das ausnahmsweise mal schöne Wetter?). Also alle Hunde und Jasmin eingepackt und nach Warnemünde geschleppt. Von da aus dann gleich weiter nach Hohe Düne, wo gerade der ganze Strand neu hergerichtet wird, dementsprechend grosse Baggerlöcher da rumwuseln und die Hunde vor Begeisterung darüber komplett ausgetickt sind. So sind wir den Nachmittag rumspaziert und haben schön gespielt und gechillt. Auf dem Rückweg ham wir es uns nicht nehmen lassen, uns mal die Yachthafenresidenz von Nahem anzugucken, und waren komplett beeindruckt, Hammer, keine Worte, hingehen, selberstaunen! Ja, und zum Schluss gab es seit langem mal wieder lecker Pommes an der Imbissbude. Jippie! Schluss.

Montag, 7. November 2005

Praktikum

Wie angekündigt war letzten Dienstag mein erster Praktikumstag hier in Rostock beim Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung. Ich teile mir da für die nächsten fünf Monate einen Raum mit drei anderen Praktikanten, die an den gleichen, oder zumindest ähnlichen Sachen basteln wie ich. Tja, was mach ich denn nun überhaupt?

Also mein eigentliches Projekt heisst DiaTrace, dafür fummeln zwei meiner Kollegen momentan das sogenannte MoSeBo, sprich Motion Sensor Board zusammen, welches dann fleissig die Bewegungen des Patienten (ja, erklär ich noch) aufzeichnet und per Bluetooth, also Funk, verschicken kann. Ich werte das dann auf einem Javafähigen Telefon oder PDA aus und binde das in allerhand andere (noch zu entwickelnde), hoffentlich nützliche, Funktionen ein. Die ganze Geschichte soll letztendlich Diabetikern und Ihren Ärzten helfen, entsprechende Studien zur Auswirkung der Bewegung und des damit verbundenen Energie- und Zuckerverbrauchs aufs Einstellen mit Tabletten und Insulin durchzuführen, zum Bewegen animieren (speziell Typ II Diabetiker) und evtl. generell die sowieso von den Patienten momentan per Tagebuch durchgeführte Datenerfassung zu vereinfachen. Klingt kompliziert? Ist es auch, aber am Ende hoffentlich nicht mehr für die Anwender…

Soweit das Hauptziel, weiterhin programmier ich also momentan hauptsächlich Handies, GPS, Internetzugriff, Funk etc.
Hab vorher zwar sowas noch nie gemacht, muss aber sagen, macht schon ziemlich Spass. ausserdem kann ich relativ frei und eigenverantwortlich arbeiten, was die ganze Sache recht angenehm macht. Ok, ans frühe Aufstehen und den Acht-Stunden-Tag muss ich mich noch gewöhnen.

Heute jedenfalls war es eher langweilig, was allerdings nur daran lag, dass der Strom für Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde. Joa, also nix mit programmieren. Mehr Zeit für Recherche zu Hause :)