Zwei krasse Tage
Nachdem André nun schon blanko auf einen von mir noch nicht einmal geschriebenen Bericht von dem “Sirqus Alfon”-Auftritt am Montag verwiesen hat, will ich den denn hier jetzt nachliefern.
Da ich erst am Montag beschlossen hatte, ins KGB zu gehen um die eben besagte Gruppierung musizierender junger Leute zu erleben, kam es, wie es bei solch spontanen Entschlüssen oft passiert, dass keiner so wirklich Zeit hatte. Selbst Anni musste gerade noch im letzten Moment einlenken, um für ihre kommende Prüfung zu büffeln. Blieb mir noch der treue Elmar.
Also, nachdem Anni und ich einen schönen Nachmittag mit Plündern des LAX bei 40% (ja, leider, LAX löst sich auf), Hefeweizentrinken vorm Warmbad und Bücherstöbern in der gerade an diesem Tag am Dobi neu eröffneten “anderen Buchhandlung” mit nem Gläschen Prosecco verbracht haben, sind Elmar und ich dann zum Güterbahnhof geradelt. Punkt neun angekommen waren kaum Leute da. Wir kamen umsonst rein und haben uns erstmal ein lecker Bier geholt, wobei uns der Tresenmann mitteilte, dass das ganze etwas später losginge heute, da die “überaus sympathische Band aus Schweden” die Fähre verpasst hätte.
Macht ja nix, ham wir uns eben ein wenig in die Sesselecke gesetzt, während Donald D. beim Soundcheck erstmal nen Plattenspieler oder sowas runterfallen liess. Gelernt ist gelernt ;)
Die “überaus sympathische Band aus Schweden” traf dann doch ein, überprüfte ebenfalls die lokale PA mit coolem acapella Beatbox, haufenweise Rückkopplungen und stehenden Wellen. Langsam füllte sich der Raum, leider viel zu wenig Leute, würde schätzen 50 waren da - Claudia und Susanne ebenfalls darunter. Als wir dann da so standen, kamen die Jungs auch gleich heraus. Drei von ihnen waren mit wirren Frisuren, riesigen angeklebten Schnurrbärten, knallroten Hemden, kurzen schwarzen Sporthosen (von Adidas und Puma übrigens), Hosenträgern und roten Turnschuhen bekleidet, wovon einer Melodika spielend auf der Bühne sass, während die anderen beiden den in ein unausstehlich buntes Hemd und schwarzer Jogginghose gekleideten Frontmann steif wie ein Brett auf die Bühne trugen, aufzustellen versuchten, wobei der mehrmals umfiel und immer nur kurz vor dem Boden aufgefangen wurde. Surrend und sich gebärdend wie ein Roboter ergriff er dann sein Megaphon (nicht Mikrophon), die anderen jeweils einen Kontrabass und ein Kinderschlagzeug.
Was dann folgte lässt sich eigentlich nicht mehr beschreiben, sondern eher unter dem Oberbegriff Reizüberflutung zusammenfassen. Von der ersten Minute an musste man einfach mitlachen, -singen, -tanzen. Die Musik erstreckte sich über HipHop, Limbo, Breakdance, Rock, Britney-Spears-Kaugummi-Pop bis hin zu Mallorcahits. Dabei einfach eine perfekte Show mit eingeschnappten Bandmitgliedern, übereifrigen Schlagzeugern, und, und, und…
Das spärliche Publikum hat lautstark alles zu würdigen gewusst, spätestens nach einer halben Stunde taten einem schon die Handflächen weh und man neigte zu spontanen Jubelrufen. Ganze drei Zugaben mussten Sirqus Alfon dann geben, und wir waren alle total aus dem Häuschen, denn soetwas hätten wir dann doch nicht erwartet.
Noch nicht nach Hause wollend, blieben Elmar und ich noch auf ein Bier und machten uns danach zu eine kleinen Altstadtradtour mit Besichtigung des Stadthafens auf. Da es beim Zirkus Fantasia so spät dann doch keine Bockwurst mehr gab, holten wir uns jeder ‘nen Dobidöner, den wir dann prompt bei den Segelbooten verschlangen.
Gegen zweie zu Haus gings um neun wieder raus, und zwar im Rahmen meines Physikseminars zur Brauereiführung (meiner dritten mittlerweile) - wofür man nicht alles Scheine bekommt - welche planmässig verlief und dann mit zwei Bierchen und zwei geschenkten Gläsern im Braukeller endete. Leicht angetüdelt weiter nach Hause, Uli und Anni, beide zum Lernen ziemlich schick angezogen, bekocht und weiter zu Anke, ihr meine Grammatik zu zeigen, welche sie ziemlich schnell durchschaut und umgebaut hat, hoffe sie funktioniert jetzt besser. André präsentierte dann noch seine spektakulären Erfolge mit Eclipse, und ich quälte mich bei schwülen 33°C langsam wieder mit der Aussicht auf Strand am Abend in unsere kühle Wohnung.
18Uhr: Wir wollen mit Seb aufbrechen, da passierts - der Himmel verdunkelt sich, Blitz, Donner, Wind und Regen stürzen über uns zusammen. Äste brechen ab, Bäume stürzen um, Blitze schlagen ein, Lampen flackern, Handynetz bricht zusammen, also nix mit Strand. Nach einer Stunde war alles vorbei, und nachdem vom Strand der Anruf kam, dass die Sonne jetzt rausgekommen und der Sand wieder trocken sei, haben wir uns dann doch aufgemacht, die Schäden in Augenschein nehmend. Da waren überflutete Strassen und Keller, umgestürzte Bäume und liegengebliebene Strassenbahnen.
Wir sind genau zum Sonnenuntergang an den Feuerstellen angekommen, wo uns schon Sambatrommeln, Lagerfeuer und jede Menge gutgelaunter Leute empfingen. Paula ging völlig ab, Anni und ich schlürften Wein, Elmar wurde eins mit seiner Snaredrum. Irgendwann haben wir uns dann entschlossen, alle nackt Baden zu gehen, naja, zumindest ein Teil von uns. Hoffe, es gibt da keine Photos von ;)
Danach schön den Hintern am Lagerfeuer gewärmt, zu den Trommeln getanzt, mit meinen beiden Mädels geknutscht, weitergetrunken und den Feuerjongleuren zugeguckt. Dann irgendwann zurück und den Abend schön ausklingen lassen.
Achso: Für alle, die auch den Auftritt von Sirqus Alfon am Dienstag verpasst haben: Es gibt ein Wiedersehen auf der ФУЗИОН…
Ja, also ich ärger mich schon ein bisschen, dass ich Montag nicht mitgekommen bin. Hättest mal was gesagt. Mist. Naja. Und die Strandparty war ja wohl auch ein voller Erfolg.
Jetzt musst du mir nur noch verklickern, was ФУЗИОН ist. Hab ich noch nie gesehen/gehört. Wie spricht man das überhaupt.
Am 23. Juni 2005 um 11:12 Uhr